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<title>Gerhard Kohnert</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Gerhard Kohnert</span></h1>
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<p><b>Gerhard Kohnert</b> (* <a href="2._September" title="2. September">2. September</a> <a href="1882" title="1882">1882</a> in <a href="Geestem%C3%BCnde" title="Geestemünde">Geestemünde</a>; † <a href="5._Juli" title="5. Juli">5. Juli</a> <a href="1962" title="1962">1962</a> in <a href="Melle" title="Melle">Melle</a>) war ein deutscher <a href="Unternehmer" title="Unternehmer">Unternehmer</a>, Möbelfabrikant, <a href="Kommunalpolitik" title="Kommunalpolitik">Kommunalpolitiker</a> und Förderer lokaler kultureller Einrichtungen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Gerhard Kohnert wurde als Gerhard Kohn, Sohn des <a href="Franz_Kohn" title="Franz Kohn">Franz Kohn</a> (* 23. Dezember 1857; † 24. September 1909) und dessen Frau Johanna, geb. Gehrels (* 24. Dezember 1862; † 24. Dezember 1925) am 2.&nbsp;September 1882 in Geestemünde als erster Sohn geboren. Sein um vier Jahre jüngerer Bruder war der Unternehmer und Handelskammerpräsident <a href="Hans_Kohnert" title="Hans Kohnert">Hans Kohnert</a>.
</p><p>Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Bremerhaven begannen für den 17-jährigen Gerhard Kohn die Lehr- und Wanderjahre (1900–1908): zunächst zwei Semester an der <a href="Handelshochschule_Leipzig" title="Handelshochschule Leipzig">Handelshochschule Leipzig</a>, dann zwei weitere Semester an der noch im Entstehen begriffenen <a href="Handelshochschule_K%C3%B6ln" title="Handelshochschule Köln">Handelshochschule Köln</a>. Es folgten kaufmännische Stellungen in Geestemünde, Lübeck, in Wiborg (Finnland) im <a href="Kramfors" title="Kramfors">Kramfors-Sägewerk</a> im Härnösand-Distrikt in Nord-Schweden und schließlich zwei Jahre Tätigkeit in London und ein Jahr in den USA.
</p><p>Gerhard Kohnert war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Aufgrund von Anfeindungen wegen des jüdisch klingenden Familiennamens <a href="Kohn" title="Kohn">Kohn</a>/Cohn unter dem nationalsozialistischen Regime beantragte sein Bruder Hans 1937 für die Familie sowie für die betroffenen Firmen in Geestemünde und Melle eine Namensänderung in ‚Kohnert‘, die am 14.&nbsp;August 1937 ministeriell genehmigt wurde. Gerhard Kohnert starb am 5.&nbsp;Juli 1962 im Alter von 78 Jahren in Melle nach kurzer Krankheit.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leistungen">Leistungen</h2></div>
<p>Im Jahre 1909, nach dem Tode seines Vaters, trat Gerhard Kohn in das elterliche Stammhaus, die Holzimport- und Holzbearbeitungsfirma <a href="Pundt_%26_Kohn" title="Pundt &amp; Kohn">Pundt &amp; Kohn</a> in Geestemünde als Prokurist ein, in der er 1912 auch Teilhaber wurde –&nbsp;zusammen mit seinem Bruder Hans, der die Leitung der Firma nach dem Tode des Vaters (1909) übernommen hatte. In den Jahren 1912 bis 1924 gehörte er außerdem der <a href="Industrie-_und_Handelskammer_Bremerhaven" title="Industrie- und Handelskammer Bremerhaven">Industrie- und Handelskammer Bremerhaven</a> an.
</p>

<p>Im Jahre 1909 gründete Gerhard Kohn die <a href="Meller_M%C3%B6belfabrik" title="Meller Möbelfabrik">Meller Möbelfabrik</a> GmbH (MMM) in <a href="Melle" title="Melle">Melle, bei Osnabrück</a>, die er bis zu seinem Tode (1962) leitete. Er hatte frühzeitig erkannt, dass im Umkreis des sog. „Möbelbeckens“ (Herford, Detmold, Ostwestfalen-Lippe), d.&nbsp;h. in einer strukturschwachen Region zwischen <a href="Wiehengebirge" title="Wiehengebirge">Wiehengebirge</a> und <a href="Teutoburger_Wald" title="Teutoburger Wald">Teutoburger Wald</a>, besonders gute Bedingungen für den Aufbau einer Möbelindustrie bestanden: Reiche Buchen- und Eichenwälder lieferten die Rohstoffe, große Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne sicherten niedrige Stückkosten, der große Grundstücksbedarf der flächenintensiven Möbelproduktion konnte hier preiswert gedeckt werden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Außerdem bedeutete der Anschluss an das Eisenbahnnetz zu den sich rasch entwickelnden Möbel-Absatzmärkten im nahegelegenen Ruhrgebiet, später auch im Rheinland und Saarland günstige Entwicklungsbedingungen für die Möbelfabrikation.
</p><p>Schließlich bestanden in den beiden Weltkriegen besondere Geschäftsbedingungen, u.&nbsp;a. mit der Fabrikation von Munitionskisten und Flugzeugteilen, die unter den restriktiven Gesetzen der Wehrbewirtschaftung produziert wurden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So wurde auch im Zweiten Weltkrieg die Produktion der MMM auf kriegswirtschaftliche Aufgaben umgestellt.
</p>


<p>Nach dem Ende des Krieges besetzten britische Truppen unter Feldmarschall <a href="Bernard_Montgomery" title="Bernard Montgomery">Bernard Montgomery</a> die Region und beschlagnahmten die Kohnert’sche Villa „Haus Sonneck“ am Meller Berg (1945–1955). Montgomery schlug sein vorübergehendes Hauptquartier im benachbarten <a href="Gut_Ostenwalde" title="Gut Ostenwalde">Gut Ostenwalde</a> (Melle-Oldendorf) auf.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Kohnert wohnte daraufhin zunächst im Kontorhaus der Firma, bevor er Anfang der 1950er-Jahre auf dem Fabrikgelände drei neue Wohnhäuser als Werkswohnungen in der Teichbruchstraße, heute Bismarckstr. Nr. 13–17 (seit 1967 als Ensemble unter Denkmalschutz), für sich und seinen Betriebsleiter und Prokuristen errichten ließ. Die MMM gewann unter der Leitung von Gerhard Kohnert nach dem Krieg auch überregional einen Namen. Sie war bekannt als Hersteller gediegener und innovativer Wohnzimmer- und Büromöbel, u.&nbsp;a. von Lizenzmöbeln nach dem Bauhausstil für die Bremer Werkstätten. Die fortschreitende Industrialisierung und Internationalisierung der Möbelindustrie führten allerdings auch in dieser Region in den 1960er- bis 1970er-Jahren zur Konzentration auf immer größere und modernere Betriebe und zur Aufgabe derjenigen, die in diesem Prozess nicht mithalten konnten.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werke">Werke</h2></div>
<p>Am <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> nahm Gerhard Kohn –&nbsp;nun 31-jährig&nbsp;– als Kriegsfreiwilliger an allen Fronten teil und wurde zweimal verwundet. Danach förderte er in Melle die Meller Feuerwehr sowie den Meller Kinderchor und war im Jahre 1921 Mitbegründer der Meller Volksbank. 1928 war er Schützenkönig des Ortes und zuletzt Ehrenmitglied.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach dem Ende des <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieges</a> war die britische Militärregierung bestrebt, in <a href="Melle" title="Melle">Melle</a> nach den zwölf Jahren national-sozialistischer Herrschaft neue unbelastete und frei gewählte lokalpolitische Führer zu finden. Am 14.&nbsp;November 1945 schlugen die Mitglieder des Stadtausschusses der Militärregierung vor, ein „Bürgervorsteher-Kollegium“ von 20 Personen nach dem Vorbild der Weimarer Republik zu bilden. Die Militärregierung nannte das neu gebildete Gremium „Stadtrat“ und genehmigte die Zusammensetzung am 19.&nbsp;Dezember 1945. Am 9.&nbsp;Januar 1946 trat der Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und wählte mit Zustimmung von Oberst Wilcox den Möbelfabrikanten Gerhard Kohnert zum Bürgermeister. Der bisherige Bürgermeister Dr. Freiherr von Massenbach übernahm das neu geschaffene Amt des „Stadtdirektors“, aber wegen seiner „aufrechten deutschen Haltung“ nach einigen Monaten wieder abgesetzt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Dem Fabrikanten Gerhard Kohnert wurde zu seinem 70.&nbsp;Geburtstag von Regierungspräsident Friemann am 2.&nbsp;September 1953 das <a href="Bundesverdienstkreuz" class="mw-redirect" title="Bundesverdienstkreuz">Bundesverdienstkreuz</a> für seine Verdienste um den Aufbau der heimischen Möbelindustrie verliehen. Laut Meldung dem <i>Meller Kreisblattes</i> wurde damit diese Auszeichnung zum dritten Mal im Kreis Melle verliehen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ehrungen">Ehrungen</h2></div>
<ul><li>1953: <a href="Bundesverdienstkreuz" class="mw-redirect" title="Bundesverdienstkreuz">Bundesverdienstkreuz</a> am Bande</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Oliver Bonkamp: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://digital.ub.uni-paderborn.de/hs/content/titleinfo/3777"><i>Kooperationen und Netzwerke in der Möbelindustrie der Region Ostwestfalen-Lippe.</i></a> Dissertation. Universität Paderborn, 2005.</li>
<li>Meller Kreisblatt: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.noz.de/archiv/vermischtes/artikel/345244/60-jahre-kommunale-selbstverwaltung-in-melle"><i>60 Jahre kommunale Selbstverwaltung in Melle</i></a>. <i>Meller Kreisblatt</i>, 11. Oktober 2006.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://grabsteine.genealogy.net/tomb.php?cem=303&amp;tomb=109&amp;b=a">Familiengrab der Familie Kohn in Bremerhaven-Lehe II</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"> Oliver Bonkamp: <i>Kooperationen und Netzwerke in der Möbelindustrie der Region Ostwestfalen-Lippe.</i> Dissertation. Universität Paderborn, 2005. S. 28–32.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">S. A. Ruppert, H. Riechert: <i>Die Kriegswirtschaft in Lippe.</i> In: <i>Herrschaft und Akzeptanz.</i> Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Bd. 41, 1998, S.&nbsp;99–149.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/609670/gut-ostenwalde-residenz-von-feldmarschall-montgomery#gallery&amp;0&amp;0&amp;609670"><i>Gut Ostenwalde: Residenz von Feldmarschall Montgomery.</i></a> Neue Osnabrücker Zeitung GmbH &amp; Co. KG, 25.&nbsp;August 2015,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 21.&nbsp;April 2019</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AGerhard+Kohnert&amp;rft.title=Gut+Ostenwalde%3A+Residenz+von+Feldmarschall+Montgomery&amp;rft.description=Gut+Ostenwalde%3A+Residenz+von+Feldmarschall+Montgomery&amp;rft.identifier=&amp;rft.publisher=Neue+Osnabr%C3%BCcker+Zeitung+GmbH+%26+Co.+KG&amp;rft.date=2015-08-25">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"> Manfred Deiß et al.: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/10056"><i>Neue Rationalisierungsstrategien in der Möbelindustrie II: Folgen für die Beschäftigten.</i></a> [Monographie] 1989. S.&nbsp;29.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Aus alten Meller Zeitungsbänden, „Vor 50 Jahren (1962)“.</i> In: <i>Meller Kreisblatt</i>.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Meller Kreisblatt</i> in einem Artikel zu seinem 70.&nbsp;Geburtstag, v. 2.&nbsp;September 1953.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">s. Meller Kreisblatt in einem Artikel zu seinem 70.&nbsp;Geburtstag, vom 2.&nbsp;September 1953.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/1111918775">1111918775</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/1522147270362435700004/">1522147270362435700004</a></span> | </div>
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Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-03" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Gerhard_Kohnert&amp;oldid=262100201">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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